Nahrungsergänzungsmittel und Sport

Neben der normalen Ernährung greifen Sportler häufig zu Nahrungsergänzungsmitteln, um eine Leistungssteigerung zu erzielen. Es gibt ausgewählte Nahrungsergänzungsmittel, die im Sportbereich besonders häufig ihre Anwendung finden. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Antioxidantien:

Die Vitamine E, C, Provitamin A (ß-Carotin), das Spurenelement Selen und einige sekundäre Pflanzenstoffe besitzen antioxidative Eigenschaften. Bei intensivem Training oder Wettkampf werden reaktive Sauerstoffverbindungen gebildet. Diese freien Radikale können überhandnehmen, negative Kettenreaktionen auslösen und verschiedene Zellkomponenten zerstören. Antioxidantien blockieren diesen Reaktionsablauf und schützen den Organismus vor den negativen Folgen zu intensiver körperlicher Belastungen. Gesundheitsschutz bei vermehrten Belastungen setzt ein ausreichendes Vorhandensein aller antioxidativen Nährstoffe voraus. Eine übermäßige Zufuhr einzelner Antioxidantien über Präparate führt deshalb weder zu besserem Schutz noch zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit. Mit der in der vollwertigen Sportlerernährung berücksichtigten Lebensmittelauswahl erhalten Sie genügend Antioxidantien.

  • BCAA (=branched-chain amino acids):

BCAA werden die verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin genannt. Die BCAAs sind essentiell und die einzigen Aminosäuren, die direkt im Skelettmuskel verstoffwechselt werden können. Sie sollen beim Sport den Proteinabbau im Skelettmuskel hemmen, die zentrale Ermüdung unterdrücken und in der Erholungsphase die Muskelstrukturen schneller wiederherstellen können. Da ihr Gehalt etwa 50 Prozent der essentiellen Aminosäuren in der Nahrung ausmacht, ist eine Unterversorgung bei üblicher Ernährungsweise unwahrscheinlich. Mit Milch- und Milchprodukten lassen sich schon in der Nachbelastungsphase relevante BCAA-Mengen auf natürlichem Wege aufnehmen. Die Einnahme von BCAA-Präparaten ist daher nicht empfehlenswert.

  • L-Carnitin (L = linksdrehende Form):

L-Carnitin transportiert Fettsäuren aus dem Zellplasma in das Mitochondrium, das „Kraftwerk der Zelle". Dort findet die Fettverbrennung statt. Der gesunde Körper produziert ausreichende Mengen an Carnitin selbst. Hinzu kommt Carnitin aus tierischen Lebensmitteln. Sportlerinnen und Sportler, die sich vegetarisch ernähren, sollten regelmäßig Milch- und Milchprodukte im Speiseplan berücksichtigen. Im Hochleistungssport sowie mit zunehmendem Alter soll die Carnitineigenproduktion nicht (mehr) ausreichen. Nur im Fall eines Carnitinmangels erscheint derzeit die Einnahme von Carnitinpräparaten sinnvoll. Bei ausreichender Carnitinproduktion führt eine zusätzliche Aufnahme weder zu einer Leistungssteigerung noch zu einer nennenswert gesteigerten Fettverbrennung. Es gibt aber Hinweise, dass Carnitin bei gesunden Freizeitsportlern Muskelschäden vermindert und damit die Regeneration unterstützt. Aufgrund möglicher Schwächung der körpereigenen Carnitinbildung bei Einnahme von arnitinpräparaten erscheint eine Carnitinsupplementation trotzdem nicht sinnvoll.

  • Coffein:

Coffein unterdrückt beginnende Müdigkeit, kann die geistige Leistungsfähigkeit erhöhen und die Glykogenspeicher schonen, indem die Fettoxidation beim Sport aktiviert wird. Dazu muss Coffein ohne den gleichzeitigen Verzehr von Kohlenhydraten angewandt werden. Mit Kohlenhydraten kann Coffein in der Regeneration zu einer schnelleren Wiederauffüllung entleerter Glykogenspeicher beitragen. Die Effizienz ist in vielen Sportarten belegt. Allerdings sind recht hohe Dosierungen notwendig, bei einem Körpergewicht von 60 kg zwischen drei und sieben Tassen starker Kaffee. Entscheidend ist die individuelle Verträglichkeit. Empfindliche Personen reagieren auf den Coffeingenuss unter Umständen mit Nervosität, Herzklopfen und Durchfall.

  • Kreatin:

Kreatin dient im Skelettmuskel zum schnellen Neuaufbau des Energielieferanten ATP, der sehr rasch, aber nur für begrenzte Zeit (wenige Sekunden) Energie zur Verfügung stellt. Daher ist der Muskelkreatingehalt bei kurzen, intensiven sowie intervallartigen Belastung (z. B. Weitsprung, Krafttraining, Spielsportarten) von entscheidender Bedeutung. Kreatin wird im Organismus selbst gebildet und kommt in nennenswerten Mengen auch in vielen tierischen Lebensmitteln vor. Die zusätzliche Aufnahme soll die Kreatinspeicher in der Muskulatur vergrößern, um länger bzw. häufiger schnellkräftige Bewegungen ausführen zu können. Eine leistungssteigernde Wirkung ist aber nur bei hochintensiven Belastungen zu erwarten. Beim Ausdauersport treten keine Effekte auf. Als Nebenwirkungen können Durchfall, Anstieg des Körpergewichts durch Wassereinlagerung, gesteigerte Krampfneigung sowie Sehnen- und Bandverletzungen durch eine zu schnelle Kraftentwicklung auftreten.